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Zu wenig Bewerber? Vielleicht liegt es nicht am Markt

Wir können es direkt vorab verraten: Der Fachkräftemangel ist real – aber anders, als viele denken. Ein realistischer Blick hinter die Zahlen und was du selber tun kannst:

 

Fachkräfte sind dringend gesucht


Du suchst gut qualifizierte Mitarbeitende, bekommst aber kaum passende Bewerbungen?


Dann geht es dir wie vielen Unternehmen in der Schweiz. Der Fachkräftemangel betrifft aktuell fast alle Branchen – besonders aber Bau, Logistik, IT und das Gesundheitswesen. Und obwohl es 2024 erste Anzeichen einer Entspannung gab, bleibt der Druck hoch.

Dieser kompakte Leitfaden gibt dir einen Überblick über die aktuelle Lage, zeigt, welche Branchen und Regionen besonders betroffen sind – und vor allem: was du als Arbeitgeber konkret tun kannst.


Fachkräftemangel Index Schweiz, Quelle: Stellenmarktmonitor, UZH, 2024
Fachkräftemangel Index Schweiz, Quelle: Stellenmarktmonitor, UZH, 2024

 

1. Die aktuelle Lage in Zahlen

 

Im April 2025 waren schweizweit rund 40’900 offene Stellen gemeldet – das sind 1,6 % mehr als im Vorjahresmonat. Gleichzeitig stieg die Arbeitslosenzahl im Januar auf 135’773 Personen – ein Plus von 4,2 % zum Vormonat. (Quelle: Statista Research Department, 06.05.2025).

 

Der sogenannte Fachkräftemangel-Index ist 2024 um 18 % gesunken. Trotzdem liegt er immer noch 22 % über dem Stand von 2019, also vor der Pandemie. Das zeigt: Es gibt eine gewisse Entspannung – aber auf hohem Niveau. (Quelle: UZH, Fachkräftmangel-Index Schweiz 2024) 

 

2. Warum fehlen die Fachkräfte?


Die Ursachen sind vielfältig – aber in Kombination besonders drastisch:

  • Demografie: Die geburtenstarken Jahrgänge gehen in Rente – gleichzeitig kommen zu wenig Junge nach. Die Geburtenrate in der Schweiz sinkt 2024 auf einen historischen Tiefststand mit durchschnittlich 1,28 Kindern pro Frau - 2022 waren es noch 1,39.

  • Technologischer Wandel: Digitalisierung, Automatisierung und neue Berufsbilder entstehen schneller, als Ausbildungswege sich anpassen können.

  • Internationale Konkurrenz: Früher ein Trumpf, wird die Zuwanderung schwieriger – weil andere Länder ebenso händeringend Fachkräfte suchen wie die Schweiz.

 

(Quelle: angestellte.ch, "Es braucht neue Lösungen für den Fachkräftemangel", 2023; )


 

3. Die Prognose: So entwickelt sich der Mangel weiter


Die Zahlen sind klar: Laut Studien fehlen der Schweiz in den nächsten zehn Jahren rund 460’000 Vollzeitkräfte. Besonders stark betroffen sind:


  • Gesundheitsberufe – etwa Pflegepersonal und Ärztinnen/Ärzte


    Pensionierungen und die alternde Bevölkerung sorgen hier für eine doppelte Herausforderung.


  • Bauwesen


    Es fehlt an ausgebildeten Handwerkern, Planern und Bauleitern – trotz voller Auftragsbücher.


  • Logistik


    LKW-Fahrer, Lagerpersonal und Disponenten sind stark gefragt, insbesondere durch den Onlinehandel.


  • IT und Elektronik


    Entwickler, Systemtechniker oder Security-Spezialisten sind knapp – und sehr gefragt.

Der Mangel wird sich also weiter verschärfen – und betreffen längst nicht mehr nur einzelne Branchen.

 

(Quellen: angestellte.ch, "Fachkräftemangel - und nun?", 2024; dievolkswirtschaft.ch, "Diese Stellen sind besonders vom Fachkräftemangel betroffen", 2023)


 

4. Was du als Arbeitgeber konkret tun kannst

Auch wenn du den Fachkräftemangel nicht allein lösen kannst – du hast mehr Einfluss, als du denkst. Hier sind konkrete Massnahmen, die du umsetzen kannst, um als Arbeitgeber attraktiver zu werden und qualifizierte Mitarbeitende zu halten oder zu gewinnen:

 

Realistische Rekrutierung statt Idealprofil-Falle

Ein oft unterschätztes Problem: Mitarbeitende werden auf Stellen gesetzt, die nicht zu ihren Stärken passen, oder es wird nach „idealen“ Profilen gesucht, die es so kaum gibt.  Je mehr Kompetenzen Unternehmen fordern, desto länger suchen sie. Dies gilt auch dann, wenn man Stellen mit ansonsten identischen Merkmalen miteinander vergleicht.

 

Statt dich auf das reale Potenzial von Menschen zu konzentrieren, werden oft unerreichbare Anforderungen gestellt. Die Folge: Frust, teure Fehlbesetzungen und kurzfristige Massnahmen wie Prozessoptimierung oder teure Leadershiptrainings – die das Grundproblem aber nicht lösen.

 

Überlege dir also bei jeder Rekrutierung:

Welche Fähigkeiten muss jemand wirklich mitbringen – und was kann im Job erlernt werden?

 

Setze auf Lernfähigkeit, Motivation und Persönlichkeit – nicht nur auf den perfekten Lebenslauf.

 

Das Potenzial im Team wächst, wenn du auf passende Talente setzt, nicht auf Utopien.


Weiterbildung fördern statt ersetzen

Statt neue Mitarbeitende zu suchen, kannst du deine bestehenden weiterentwickeln. Gerade in der IT, Logistik oder Technik lassen sich Mitarbeitende mit Motivation gezielt auf neue Anforderungen vorbereiten – oft schneller, als du extern rekrutieren kannst.


Tipp: Prüfe Förderprogramme oder Zusammenarbeit mit regionalen Bildungsanbietern.

 

Flexible Arbeitsmodelle einführen

Viele Bewerbende suchen heute nach Teilzeitmodellen, Homeoffice-Möglichkeiten oder Gleitzeiten. Gerade für Eltern, Pendelnde oder ältere Arbeitnehmende ist das ein grosser Pluspunkt. Auch gibt es Evidenz, dass Teilzeitstellen und solche mit Angabe eines flexiblen Arbeitspensums (z. B. 80–100%) einfacher zu besetzen sind als reine Vollzeitstellen.


Flexibilität ist kein Nice-to-have mehr – sondern ein Entscheidungskriterium.

 


Ältere Mitarbeitende im Betrieb halten

Der Erfahrungsschatz langjähriger Mitarbeitender ist Gold wert – und oft unterschätzt. Mit flexiblen Übergängen in die Pension (z. B. Teilzeit vor dem Rentenalter und auch nach der Pensionierung) kannst du dieses Potenzial länger nutzen.

Massnahmen: angepasste Arbeitsbelastung, Mentoring-Rollen, gezielte Wertschätzung.


(Quelle:  Kaiser, Boris; Siegenthaler, Michael; Wey, Simon (2023). Diese Stellen sind besonders vom Fachkräftemangel betroffen. Die Volkswirtschaft, 08. September.)

 

Fazit: Jetzt aktiv werden – bevor es zu spät ist

Der Fachkräftemangel ist da – und wird sich weiter verschärfen. Aber: Wenn du als Arbeitgeber gezielt in Rekrutierung, Weiterbildung, flexible Modelle und Teamkultur investierst, kannst du dich klar von Mitbewerbern abheben.

 

Nicht alles ist kurzfristig lösbar, vor allem keine strukturellen Probleme. Aber wer jetzt mit den Mitteln handelt, die zur Verfügung stehen, stellt die Weichen für  langfristigen Erfolg.

 

 

Quellenverzeichnis:

 

Kaiser, Boris; Siegenthaler, Michael; Wey, Simon (2023). Diese Stellen sind besonders vom Fachkräftemangel betroffen. Die Volkswirtschaft, 08. September. https://dievolkswirtschaft.ch/de/2023/09/diese-stellen-sind-besonders-vom-fachkraeftemangel-betroffen/

 

 


 

 

 
 
 

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